Messen

Wir messen zu wenig. Oder, um hier nicht zu übertreiben: ich messe zu wenig. Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Software System mit Hilfe von zahlreichen Frameworks oder Bibliotheken, treffen Sie dann die Entscheidung für ein bestimmtes Framework tatsächlich immer anhand von Messungen oder anderen quantitativen Verfahren? Woher wissen Sie, was Sie messen sollten? Ganz ehrlich, ich mache das zu selten, denn messen ist schwierig und kostet Zeit und damit Geld.

In einem Projekt ist man doch erst mal zufrieden, wenn man ein Framework findet, das die meisten Mitarbeiter schon kennen und ohne Einarbeitung einsetzen können. Außerdem habe ich es auch selten erlebt, dass ein Auftraggeber schon vorab wusste, wieviele Endkunden am Ende ein Software System nutzen werden. Zwischen „keine Ahnung“ und „ungefähr alle Menschen mit Mobiltelefonen“ hab ich hier schon alles erlebt.

Wie gut, dass Informatiker für diese Fälle das Konzept der Skalierbarkeit gefunden haben. Baue ein System so dass es mit steigender Nutzeranzahl mitwachsen kann. Fehlendes Wissen über Nutzeranzahlen kostet hier aber echtes Geld denn ein skalierbares System zu schreiben ist teurer als ein System, das nur auf einem Server läuft. Wenn die Hoffnung nicht erfüllt wird, schießt man mit Kanonen auf Spatzen.

Seit kurzer Zeit sprießen nun neue Frameworks aus dem Boden die nahezu unbegrenzte Skalierbarkeit versprechen. Alte, seit vielen Jahren erprobte Technologien wie relationale Datenbanken werden verdrängt von neuen Ansätzen, die Beschränkungen der Skalierbarkeit überwinden sollen. Aber können sie das wirklich? In ihrem Projekt? Treffen Sie die Entscheidung gegen MySQL auf der Basis von Moden oder Druck von innovativen Mitarbeitern oder können sie durch Messungen ihre Entscheidung belegen? Und nehmen Sie dann Mongo, Cassandra oder Riak oder vielleicht sogar eine Graphdatenbank wie Neo4J?

Die Expertise von scheinbaren Experten in den zahlreiche Foren hilft nur bedingt. Von „es gibt nicht besseres“ bis hin zu „Warnungen vor Datenverlust“ finden Sie dort auch alle möglichen Meinungen. Es hilft also nichts: Sie müssen selbst ran und sich durch Messungen der Performance und Abschätzungen über die Skalierbarkeit selbst ein Bild machen.

Aber warum muss ich das eigentlich machen? Warum können nicht die Entwickler der Frameworks selbst ihre Messergebnisse veröffentlichen? Und überhaupt, was heißt eigentlich messen? Was wir doch eigentlich brauchen sind mathematische Modelle anhand derer wir dann konkret für unser Projekt Leistungsbewertungen machen können. Warum gibt es sowas noch nicht?

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